Das Emotionen-Abhärtungstraining oder „Wie ich mein Haustier verlor“

Erstmal alles gute nachträglich zum… öhm… 2-jährigen! *tröt* Doch damit gleich genug der Freude, das soll ein sehr ernsthafter Post werden.
Jeder kennt sie und fast jeder liebt sie – Haustiere. Klein und flauschig oder groß und verspielt, alles hab ich schon durch und alles lief auf eins hinaus: den Tod des Tieres. Und genau darüber möchte ich jetzt und hier schreiben. Die ersten paar Tage hatte ich keine Nerven dazu, doch irgendwas muss ich mir das von der Seele schreiben.

Meine Mutter kam in mein Zimmer und hatte „eine schlechte Nachricht“ für mich. Ich wusste sofort, was Sache war, noch bevor sie fertig mit reden war, dennoch hab ich sie ausreden lassen – es hätte ja doch um etwas anderes gehen können. Dann sagte sie nur noch „dein alter Mann“ und es war alles klar. Ich bin aufgesprungen, an meiner Mutter vorbei, so schnell wie möglich zu meinem Hasen – keine Ahnung, warum ich schnell lief, es war ja eh zu spät, doch das war irgendwie ein Reflex. Als ich unten war, sah ich ihn dort liegen – tot, schon erstarrt, komplett kalt, er muss also irgendwann morgens bis mittags gestorben sein. Ich nahm ihn auf meinen Arm, so ruhig konnte ich ihn schon lange nicht mehr aus dem Stall nehmen. Er lag also da, so ruhig wie nie zuvor, ich streichelte ihn und heulte wie sonst was (selbst beim Niederschreiben ergreifen mich die Tränen). Sein Mund war geschlossen, seine Augen auch fast komplett, er muss ruhig eingeschlafen sein, also Glück im Unglück, wenn man es so sehen mag, dennoch kein bisschen leichter zu verkraften. Ich legte ihn irgendwann wieder zurück, hatte die Zeit komplett aus den Augen verloren, ging wieder hoch und äußerte meinen letzten Wunsch: ein Grab im Garten. Von keinem meiner Haustiere konnte ich bisher Abschied nehmen, indem ich es in ein Grab legen konnte, für mich wäre das also etwas ganz besonderes gewesen. Meine Mutter war jedoch nicht so angetan von der Idee, wir würden uns damit Ungeziefer in den Garten holen, sagte sie – und ihr wisst nicht, wie komplett egal mir das gewesen ist.
Vorgestern also war dann der Tag der Beerdigung angerückt, nichts besonderes, einfach nur ein Loch im Garten, doch dieses Loch bedeutet mir momentan alles, denn mein so ziemlich letzter solider Pfeiler meines Lebens liegt dort aktuell drin.
Wisst ihr, wie es ist, einen tragenden Pfeiler seines Lebens zu verlieren? Vor ein paar Jahren habe ich meine Hündin verloren, vor 2 Jahren meinen anderen Hasen, der Hase an Schnupfen gestorben, die Hündin eingeschläfert, weil sie von ihnen aufgefressen wurde – Schnuffi zählte nicht hier dazu, er starb am Alter, schlief ruhig ein und starb glücklich, das ist zumindest das, was ich mir aktuell einrede und was mir aktuell dabei hilft, ruhig weiter zu leben, auch wenn es nicht so gewesen sein mag.
Ich durfte ihn nicht ins Grab legen, durfte aber die Erde auf ihn legen, und damit meine ich wirklich legen, so liebevoll, wie ich es sonst noch nie mit irgend etwas getan hatte. Das war mir genug, ich konnte Abschied von ihm nehmen und er nahm sehr würdevoll von mir Abschied. Und wisst ihr, was ich meinen Vater als erstes gefragt habe, nachdem das Grab verschlossen war? „Wie erging es den anderen Tieren?“ – „Was?“ – „Wo sind die gelandet?“ – mein Vater wurf mir einen „Tut mir leid“-Blick zu und zeigte auf die Restmülltonne – das war der Moment, an dem ich sowohl mit traurigen Tränen als auch mit Freudentränen zu kämpfen hatte. Wieso Freude? Weil es Schnuffi nicht so erging.

Und damit wünsche ich meinem Hasen ein letztes mal gute Nacht, möge er süß träumen und immer an mich denken.
Schlaf gut, Schnuffi – ich werde dich nie vergessen. :'(

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